Über Fositesland

Die Insel der heiligen Schwäne

Dort wo sich die grauen Wogen der Nordsee brausend an die roten Felsen eines kleinen Eilands werfen, lag einst die sagenumwobene heilige Insel Fositesland.
Wie eine Trutzburg ragen die Reste dieses Heiligtums noch heute aus der rauhen See empor: Eine beeindruckende Erinnerung an jenes goldene Zeitalter das noch in unseren Sagen und Märchen weiterlebt und seine Spuren im Boden und im Brauchtum des Nordens hinterließ.

Die Insel Helgoland (fries. Heilges Land) war in heidnischer Zeit dem Licht- und Rechtsgottes Fosite (Fosete)  geweiht. Noch im 7. Jahrhundert standen auf ihr vier heidnische Tempel, von denen das Heiligtum des Fosite weithin berühmt und mit kostbaren Goldschätzen ausgestattet war.

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Alkuin, Gelehrter am Hofe Karl des Großen (800 n.Chr.) und Adam von Bremen (1070 n. Chr.) rühmten die große Fruchtbarkeit, das gute Weideland und die Verehrung der Insel seitens der Seefahrer und Fischer. Es sollen auch mehrere Burgen, Dörfer und Höfe auf der heiligen Insel gestanden haben. Aus der heiligen Quelle der Insel durfte nur schweigend Wasser geschöpft werden.

Mit aller Macht versuchten seit 690 n. Chr. christliche Missionare die Heiden dort zu bekehren und schreckten selbst vor der Schlachtung der heiligen Tiere des Gottes, den Singschwänen, Schimmeln und weißen Rindern, die an seiner heiligen Quelle lebten, nicht zurück. Offiziell gelang aber erst um 780 n Chr. die  Bekehrung. Alle Einwohner wurden (zwangs-)getauft, die verbliebenen Heiligtümer zerstört und auf die alten Tempelplätze Kirchen gebaut. Das alte Heidentum lebte aber im Verborgenen, im Brauchtum und den Sagen weiter.

 

Die einstmals umfangreiche Insel hatte schon in der Bronzezeit eine große Bedeutung. Das kupferhaltige Gestein wurde zur Herstellung von Bronze abgebaut und der in großen Mengen dort gefundene Bernstein war ein wertvolles und in Südeuropa heiß begehrtes, wertvolles Handelsgut.

In der großen Naturkatastrophe des Jahres 1226 v. Chr., die weltweit zu verheerenden Zerstörungen führte, wurden die Insel und große Bereiche der Küste des heutigen Schleswig-Holsteins bis auf den hochaufragenden roten Felsen gänzlich vom Meer verschlungen.

Dann, nach über hundert Jahren fiel der Meeresspiegel wieder etwas ab und größere Teile der Insel tauchten wieder aus den Fluten auf.
Die wieder erstandene Insel bestand noch bis ins Mittelalter hinein und diente aufgrund seines fruchtbaren Bodens u.a. auch als Weideinsel für Rinder.
Dann folgte im Jahre 1362 eine weitere schwere Sturmflut („die grote Mandränke“) die nur noch das heutige Helgoland von ihr übrig ließ.
Die wiederaufgetauchte Insel wird in den mittelalterlichen Heiligengeschichten Heiligland, Utland, Farria (Stierinsel) oder Fositesland (Land des Fosite) genannt.

Der friesische Gott Fosite, Fosete oder Phosete ist mit dem nordischen Asengott Forseti  identisch.   © tadoma - Fotolia.com
Forseti wird in der Edda als ein Sohn des Sonnengottes Baldr und dessen Frau Nanna gesehen.

„Glastheim (Bernsteinhalle) heißt ein Saal, von
Gold sind die Pforten und Silber das Saaldach. Dort thront Forseti und stillt allen Streit.“
(Grimnismal, Thule II 82)

„Dort sind die Wände, Pfosten und Pfeiler aus rotem Gold
und das Dach aus Silber. Das ist die beste Gerichtsstätte
bei Göttern und Menschen.“ (Gyla. 17/32)

 

Wie andere Sonnengötter ist auch Forseti (altnordisch „Vorsitzender des Things“) der Gott für Recht und Gesetz.
Er soll großes Redeheil bessesen haben, d.h. die besondere Gabe der Überzeugungskunst. Er stiftete Frieden unter den Menschen.
Unter seinem Einfluß wurden dauerhafte Bündnisse, Freundschaften und Friedensverträge geschlossen und Streitigkeiten gütig geregelt.

Schon die antiken Schriftsteller erwähnen die Heilige Insel des Poseidon (Fosite=Posite=Posi-deos=Poseidon) im Nordmeer.
Einige Forscher meinen, in der einst vom Meer verschlungenen Insel das versunkene Atlantis gefunden zu haben, die Heilige Bernsteininsel, von der die antiken griechischen Schriftsteller berichteten, daß der Gott der Insel Poseidon (später der Sonnengott Apollon) gewesen sei.
Basileia, „die Königliche“, nennt sie Platos. Homer nennt sie Scheria. Bei Apollonios von Rhodos wird sie als die „Heilige Insel Elektris“ (von griech. Elektron=Bernstein) erwähnt.

Um 350 v. Chr. hatte der griechische Kaufmann Pytheas eine Forschungsreise in den Norden unternommen. Er soll (nach Diodor) von einer Insel im Schlamm (Wattenmeer?) jenseits des Keltenlandes erzählt haben, die Basilea heiße und wo die Wellen reichlich Bernstein anschwemmten, der sonst nirgends auf der Welt vorkomme. Plinius beruft sich auf dieselbe Quelle, benennt die Insel „Abalus“ (später Avallon), und erwähnt ebenfalls das reichliche Vorkommen von Bernstein.

In der Überlieferung durch Sagen und Erzählungen der friesischen Fischer sind auch die Namen Utland oder Atland für das alte Helgoland belegt. Ist die Ähnlichkeit mit Atlant(is) nur zufällig?
In den sagenhaften Erinnerungen der friesischen Küstenbewohner lebt noch heute das Wissen von einer versunkenen Insel, versunkenen Palästen, Tempeln und Burgen. In ganz Europa findet man bronzezeitliche Griffzungenschwerter aus Helgoländer Kupfer, ein Hinweis auf die einstmals große Bedeutung dieser Insel.

Vielleicht ist Helgoland wirklich einmal die sagenumwobene Insel Atlantis gewesen, auf jeden Fall aber eine einstmals kulturell bedeutsame und für unsere Vorfahren
ein bedeutsames Heiligtum.

Das Land des Gottes Fosite: Fositesland

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